Vegan – Celebrate a lifestyle?

Youtube Screenshot - Channel Kris Carr

Wisst ihr, warum die meisten Nicht-Veganer den Veganern mit Skepsis und Vorurteilen begegnen? Ich habe da eine Theorie.

Ich selbst habe 2007 zum ersten Mal den veganen Lebensstil ausprobiert, und dabei wahrscheinlich jeden Fehler gemacht, den man nur machen konnte. Nicht nur, was das Essen betrifft (Stichwort Pudding-Veganer), sondern auch den Umgang mit anderen Menschen. Ich bin zum ersten Mal an den Punkt geraten, an dem ich etwas ganz klar gesehen habe, und fast wahnsinnig wurde, dass andere trotzdem mit ihrem Trott weitergemacht haben. Ich war so wütend! Und wenn man sich von dieser Wut lenken lässt, dann ist man verloren.

Das Problem: Es ist so herrlich einfach, wütend zu sein, wenn man sich ganz der Szene hingibt und immer zustimmend nickt. Da sind die Bilder von PETA oder Tierschutzorganisationen, die einen das Wasser in die Augen treiben, emotionale Videos, hungernde Kinder in Afrika, westlich lebende Menschen, die sich mästen, Zivilisationskrankheiten, Krankenkassen, deren Haushaltslöcher immer größer werden – und plötzlich sieht man einen Zusammenhang, einen roten Faden, eine Möglichkeit das alles irgendwie zu verhindern. Zumindest so ein bisschen. Aber niemand hört zu.
Und je weniger zugehört wird, desto mehr bilden sich Fronten zwischen denen, die einfach leben wollen, wie bisher, und denen, die sich als Gutmenschen positionieren und missionieren wollen.

Ich persönlich habe mir immer ein Beispiel an Menschen genommen, die mir etwas vorgelebt haben. Die, die mich mit Worten, mit Fakten, mit Bildern umstimmen wollten, die mich nicht genommen haben, wie ich bin und an meiner Persönlichkeit gerüttelt haben, die habe ich von mir weggestoßen. Aus Trotz.
Veganer waren früher nichts weiter, als Körnerfresser für mich. Ich habe schon verstanden, was es heißt, dass wir in einer besseren Welt leben könnten, aber ich habe mir eigentlich nur gedacht „Nun muss aber mal gut sein. Ich kann doch nicht auf alles verzichten!“ (wobei das „alles“ auf die Unwissenheit, wie man sich trotzdem ohne großen Verzicht ernähren kann, zurückzuführen ist) oder auch „Sollen doch die anderen den Anfang machen“.

Wisst ihr, wer mich dann wirklich inspiriert hat? Ihr werdet lachen, aber es war Charlize Theron in dem Film „Sweet November“. Sie hat dort eine Veganerin gespielt und war so herrlich anders, erfrischend, verrückt, lebenslustig. Und obwohl sie ihre Einstellungen hatte, war sie herrlich tolerant. Klar war das geschauspielert, aber trotzdem!

Mit Rohkost war es ähnlich. Ich war schon einige Zeit Veganerin (zumindest im Kopf, leider sind mir immer wieder und wieder Ausnahmen passiert), da habe ich von Steve Pavlinas (bekannter amerikanischer Blogger) Versuch, einen Monat roh zu leben, gelesen. Und ich fand ihn bekloppt. Er hat zwar aufgeführt, warum er das tut und dass Rohkost eventuell auch Krankheiten heilen kann, aber wieder dachte ich nur „Irgendwann muss doch mal genug sein! Am Ende dürfen wir ja gar nichts mehr tun und essen!“ Damit hab ich das Kapitel abgehakt.

Wer hat mich letztlich darauf gebracht, dass man Rohkost zumindest einen kleinen Versuch geben könnte, wenn auch nicht zu 100%? Es war Kris Carr. Sie ist sexy, sieht so heiß aus (mit fast 40!), hat keine Falten, ist lustig, jugendlich, aufgeweckt und lebt einfach das, was sie tut. Sie muss keine Rohkost-Religion betreiben, wie manche deutsche Urköstler (die ich irgendwie als unsympathisch und festgefahren empfinde), sondern einfach nur mit ihrem grünen Saft in der Hand lächeln.

Was ich sagen will, oh ja, ich liebe es, um den heißen Brei herumzureden:
Auch wenn ich hier nicht den veganen Lifestyle zelebriere, indem ich in jedem zweiten Post Bilder von armen, gequälten Tieren zeige, oder euch berichte, dass ich veganes Eis gegessen habe, und veganen Kaffee trinke oder dass vegan auch Genuss bedeuten kann, stehe ich voll und ganz hinter all dem.

Ich habe nur einfach keine Lust, mit einem Stempel auf der Stirn herumzulaufen, und euch zeigen, dass mein ganzes Leben von einem „V“ bestimmt wird. Ich möchte mich auf natürliche Weise so ernähren, ohne dass ich es als Anderssein präsentieren muss.

Die Ernährung ist eine der intimsten Dinge, und man sollte bei anderen Menschen nicht daran rütteln. Genauso wenig, wie niemand akzeptiert, dass man ihm vorschreibt, wie oft pro Woche er Sex haben muss, welchen Beruf er ausüben sollte, mit welchen Leuten er sich treffen darf oder in welchem Laden er einkaufen gehen kann, möchte man auch nicht, dass andere einem diktieren, was man essen soll, oder aufgrund dessen beurteilt werden.
Ich bin der Meinung, dass man Menschen durch das extreme zur Schau stellen des eigenen veganen (ach so perfekten?) Lebens nur abschreckt und Trotz hervorruft.

Das beste Argument, das wir finden können, heißt Erfolg. Mögen die Umstände für uns sprechen, nicht unser erhobener Zeigefinger, unsere abschätzigen Blicke oder unser Kopfschütteln.
Jeder hat das Recht, seinen Weg allein zu gehen und allein zu seinen Erkenntnissen zu kommen. Missionare sind öde!

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2 Gedanken zu “Vegan – Celebrate a lifestyle?

  1. Einfach mal ein ganz dickes lautes JAAAAAAA!!!!!

    Ich habe den Film auch gesehen und fand ihn toll (und traurig) und ich musste mir sogar den Soundtrack kaufen, um mich immer mal wieder daran zu erinnern.
    Man ist das lange her…ich glaube, ich krame ihn gleich mal wieder raus.

    Liebe Grüße
    Kris

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