Sport und die bösen Krankenkassen

Foto: Techniker Krankenkasse

Foto: Techniker Krankenkasse

Mit der Ernährung klappt es nun einigermaßen. Zumindest bin ich so weit drin, dass ich penibel auf die Qualität meiner Mahlzeiten achte. Nix mehr mit Schokolade, Bäckerzeug und Co.

Aber Sport ist noch immer ein leidiges Thema. Ich bewege mich nicht viel; bin ein Schreibtischhocker. Ich weiß auch nicht wirklich, wo ich anfangen soll. Joggen gehen funktioniert bei meinem Gewicht noch nicht; außerdem habe ich sowieso ein vorgeschädigtes Knie. Spazieren wäre nur effektiv, wenn ich wirklich ne mega Strecke laufe – aber woher tagtäglich die Zeit nehmen? Und wie ständig neue Strecken finden, damit es auch nicht langweilig wird?

Auf der Homepage meiner Krankenkasse habe ich auch keine weiteren Anregungen gefunden. Yoga, Rücken- und Wirbelsäulengymnastik, Progressive Muskelentspannung und Co., das klingt ja alles ganz toll, aber ich möchte ja abnehmen. Ich bin nicht sicher, was genau ich gesucht habe, aber mir wäre es schon wichtig gewesen, wenn sich das Angebot direkt an Übergewichtige richtet. Warum sollte es so etwas auch nicht geben? Es gibt doch sicher genauso viele Menschen mit Übergewicht wie mit Wirbelsäulenproblemen, oder?

Nach meiner Anfrage beim Servicecenter wurde mit mitgeteilt, dass man sich freut, mir einige Angebote in meiner Nähe zusammenzustellen und per Post zukommen zu lassen.
Nach zwei Tagen habe ich tatsächlich Post bekommen. Allerdings hat man mir exakt die gleichen Informationen zugeschickt, die ich schon im Netz gefunden habe. Wirbelsäule und Co. lassen grüßen.
Wenn die Kassen zur Prävention netterweise 80 Euro beisteuern, dann werden sie es doch wohl auch für alternative, von mir selbst ausgewählt Sachen machen, oder? Für ein Fitness-Studio zum Beispiel. Schließlich trainiert man da relativ nachhaltig das gesamte Herz-Kreislaufsystem. Mit 80 Euro könnte ich mir zumindest einen Teil der horrenden Mitgliedergebühren leisten.
Aber Pustekuchen! Da macht die Kasse nicht mit. Fitness gilt als Volkssport und würde damit in der Verantwortung jedes einzelnen liegen. Super. Aber eine Ernährungsberatung würde man mir zahlen…

Macht das für irgendwen von euch Sinn? Ich brauche keine Beratung; ich denke ich kenne mich mit Ernährung besser aus, als die meisten Menschen. Mein Rücken ist okay, und sonderlich gestresst bin ich auch nicht. Für diese Dinge brauche ich keinen Zuschuss.
Warum sind die Kassen so engstirnig und verbohrt? 80 Euro sind doch 80 Euro – kann denen nicht egal sein, in welche Art von Gesundheitsvorsorge ich die investiere? Warum glaubt man, Yoga würde mich weiterbringen, als Cardiotraining? Ich fass es nicht.

Wozu zahlt man denn Monat für Monat diese unverschämten Beträge? Man bekommt ja doch nichts raus!
Ein kosmetischer Eingriff wird zum Beispiel in fast allen Fällen versagt – selbst wenn man nach dem Abnehmen riesige Fettschürzen hat. Dass man keine Brustoperationen zahlt, weil Frauen mit kleinen Brüsten angeblich so schwerwiegende psychische Probleme haben, das verstehe ich ja. Aber wenn man unter Hautmassen leidet, die sich womöglich noch regelmäßig entzünden oder Ekzeme bilden? Das will mir nicht in meinen Schädel.

Wenn aber jemand eine Chance darauf bekommt, dass solche Eingriffe übernommen werden, dann sind das Patienten, die mithilfe eines Magenbandes abgenommen haben. Also im Klartext: Man hat schon sehr viel Geld für sie ausgegeben und einen schwerwiegenden Eingriff vorgenommen. Danach gab es sicher etliche Nachbehandlungen. Zur Belohnung gibt es dann häufig gleich noch eine Rundumverschönerung.
Die, die aber immer nur brav gezahlt und nichts in Anspruch genommen haben, und die es komplett allein mit purer Willenskraft und Disziplin hinbekommen haben, die gehen leer aus. Wo ist der Sinn?

Kris hat kürzlich in einem Beitrag darüber berichtet, dass sie damals bei ihrer Ärztin die Labor-Werte zahlen musste, und ihr anschließend eine B12-Spritze verweigert wurde. Warum? Weil sie als Veganerin praktisch selbst daran Schuld wäre. Heißt übersetzt: Als jemand, der sich Studien zufolge so gut ernährt, wie nur irgendwie möglich, steht dumm da. Wer Pommes, Döner, Pizza und Schokolade in Massen konsumiert, und schlussendlich mit Diabetes, kaputten Gelenken und Herz-Kreislaufproblemen auf der Masse steht, bekommt den „Zucker“ in den Hintern geblasen. Es ist zum schreien!

Unterm Strich heißt das für uns:
Je mehr Verantwortung wir übernehmen wollen, und je gesünder wir werden wollen, desto mehr werden wir beschissen. Oder sehe ich irgendwas falsch?

 

PS) Ich bin nicht bei der TK versichert; das Foto oben haben sie aber freundlicher Weise honorarfrei zur Verfügung gestellt.

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9 Gedanken zu “Sport und die bösen Krankenkassen

  1. „Als jemand, der sich Studien zufolge so gut ernährt, wie nur irgendwie möglich, steht dumm da“

    Dir ist aber schon bewusst, dass man sich als Fleischesser durchaus auch gesünder ernähren kann, als es die meisten Veganer tun?

    „Ich brauche keine Beratung; ich denke ich kenne mich mit Ernährung besser aus, als die meisten Menschen.“

    Nein, tust du nicht, sonst würdest du dir einen ausgewogenen Ernährungsplan zusammenstellen und nicht versuchen, mit solch einer Crash-Diät abzunehmen.

  2. Meine Nachbarin hat mit einem Magenband abgenommen, aber sie mußte ihre OP selbst zahlen. Und es gibt noch viele andere, wie meine Zeit im Adipositasforum mir gezeigt hat.

    Ich bewege mich auch zuwenig. Vollzeit arbeiten, langer Fahrtweg (öPNV), ein schulpflichtiges Kind, Haus, ein wenig kooperativer Ehemann, da bin ich froh, wenn ich abends auf der Couch liege. Dabei muß man gar nicht so viel machen. Wenn Du mit 10 Minuten strammen Gehen am Tag anfängst, ist das schon ganz gut. Und auf die Schönheit der Strecke würde ich nicht zu großen Wert legen *g*.

    Grüße
    Ute

  3. Ich glaube es gibt auch so Wassergymnastikkurse die bezahlt werden. Überhaupt sind Sportarten im Wasser sehr gut, weil sie die Muskulatur des gesamten Körpers beanspruchen, aber gelenkschonend sind. Und bis du nicht ein bestimmtes Gewicht erreicht hast, würde ich keinen richtigen, ausdauernden Sport machen – eben wegen der Gelenke.
    Gymnastik, Wassersport, Radfahren oder Walken sind do gute Optionen. Und das mit der Zeit ist doch Quatsch, gehe einfach bevor du schlafen gehst noch ein bisschen nach draußen frische Luft schnappen. Besser als nix.

  4. @ Bernd:

    Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich mit meinem Ernährungsansatz polarisiere, und dass er auf viele Menschen ungewohnt wirken muss. Mit einer Crash-Diät hat das aber rein gar nichts zu tun. Diese ganze Sache habe ich in erster Linie angefangen, weil ich gesund werden möchte. Das bedeutet nicht nur, dass ich Gewicht verliere und Risikofaktoren für spätere Krankheiten ausschließe, sondern auch, dass ich das Unmögliche möglich mache – etwa mein von Arthrose angegriffenes Knie heile, oder auch meinen Magen. Ärzte verschreiben mir da Hammer mit dem Hinweis „Aber achten sie bloß darauf, nicht schwanger zu werden. Das geht mit dieser Medikation nicht“, und sagen mir gleichzeitig, dass dieses Problem gut und gern mein ganzes Leben bestehen könnte.

    Ich weiß nicht, ob es was bringt, aber so viele andere Menschen haben berichtet, sich von Sachen heilen zu können, bei denen die Schulmedizin komplett versagt hat.
    Hätte ich diese Sachen früher gewusst, dann hätte ich heute meine Gallenblase vielleicht noch, und die Gallenflüssigkeit würde mir dann nicht in den Magen laufen und diesen entzünden.

    Unter „Meine Methode“ habe ich aufgeführt, welche Bücher ich als Grundlage für meine Ernährungsform verwende. Beide sind hochwissenschaftlich, basieren auf die China Studie (zeige mir eine größere und unabhängigere Ernährungsstudie!), und sind jeweils von einem Arzt geschrieben und von vielen anderen Ärzten abgesegnet worden. Dazu kommen die vielen positiven Erfahrungsberichte der Anwender.

    Dass Fleischesser sich gesünder ernähren, als Veganer, das lasse ich einfach mal im Raum stehen. Ich möchte nicht pauschalisieren. Wer eine gesunde Mischkost isst, lebt sicher ausgewogener als die sogenannten Pudding-Veganer (die sich auf Süßes und stark verarbeitetes Getreide konzentrieren). Aber wissenschaftlich erwiesen ist, dass kaum etwas an eine pflanzliche Vollwertkost heranreicht.

    @ Ute und Mneme:

    Ja, ihr habt Recht. Bis ich eine bessere Lösung gefunden habe, müssen die kleinen Bewegungseinheiten reichen bzw. muss ich rund ums Haus kreativ werden 🙂

    Aber gerade, da ich noch einen so weiten Weg vor mir habe, wäre es schön, etwas zu finden, dass ich wie Zähneputzen in mein Leben integrieren kann. Es reicht mir ja nicht, mich mal eben einen Monat etwas mehr zu bewegen; damit ist es nicht getan. Klar ist es für den Anfang besser als nichts. Aber wenn ich mir vorstelle, dass ich Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat immer wieder rausgehe, und stramm die gleiche Strecke entlang pirsche (hier gibt es leider keine Auswahl, wenn man nicht durch Betonbauten laufen möchte) – oh je. Also wie oft ich mich zu so einer Eintönigkeit motivieren kann, das weiß ich nicht.
    Ich werde jetzt demnächst einfach mal meine Angst und Unsicherheit überwinden und etwas Geld zusammenkratzen müssen, und bei einem Fitness-Studio vorbeischauen.

    Wassergymnastik ist auch toll. Aber ich traue mich einfach nicht mit der Figur.
    Oh Gott, ich weiß, wie ich mich anhöre. Dies geht nicht und jenes geht nicht … Immer Probleme suchen, und nicht die Lösung ^^ Ja, aber ich gebe mir beste Mühe, mit den Ausreden Schluss zu machen, mich zu überwinden, und mal Selbstbewusstsein zu zeigen, statt immer nur davon zu reden.

  5. Bewege Dich! Meiner Meinung nach ist das genauso wichtig wie gesunde Ernährung! Ohne Bewegung fehlt auf Dauer die Hälfte an Gesundheit, sozusagen! Ich verfolge seit ein paar Wochen Deinen Blog und bin grad erstaunt, dass Du zum Abnehmen nur zu besserer Ernährung greifst. Beides gehört zusammen!! Das eine ist ohne das andere nichts! Oder jedenfalls fast nichts. Und mit Bewegung meine ich mäßige, aber regelmäßige Bewegung! Jeden Tag! Bei jedem Wetter! Es dauert ein wenig, aber dann willst Du nicht mehr ohne, Dir fehlt dann was! Flott spazieren bringt mehr als Du denkst! Fang mit ner Viertelstunde am Tag an! Variiere, geh schwimmen, fahr inliner, radel, gehe! Jede Minute bringt was! Dein Stoffwechsel wird angeregt und verbessert, Deine Verdauung, Immunsystem, Laune, Lebensgefühl, Ausstrahlung…fang heute an….
    LG vom Niederrhein
    Birgit

  6. Birgit, du hast Recht … ich bin zwar doch ein wenig stolz auf mich, dass meine Ernährung langsam besser wird, aber natürlich fehlt da der Bewegungsfaktor!

    @ Luisa:
    Hey danke. Ein Schrittzähler könnte tatsächlich gerade genau das richtige sein, um meinen Hintern öfter mal hochzubekommen 🙂

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