Minimalismus als Anstoß, das Leben zu ändern


Lissa hat in letzter Zeit viel über Minimalismus geschrieben – darüber, wenig zu besitzen, um frei zu werden. Sie hat auf den tollen Blog von Miss Minimalist verwiesen, wo ich mich ein wenig umgesehen, und dann gleich spontan ihr Buch bestellt habe.

Ich habe in der Vergangenheit schon oft gemerkt, dass mich mein Zeug und mein Leben irgendwie überrumpeln. Um das in den Griff zu bekommen, habe ich Bücher gelesen, wie man optimal aufräumen kann, welche über Zeitmanagement, von „Simplify Your Life“ bis hin zu „Getting Things Done“; ich habe Kartons und Aufbewahrungsboxen gekauft, und bestimmte Systeme entwickelt. Nichts hat funktioniert.
Ich weiß schon lange, dass ich Ordnung in meinem Leben brauche. Als Teenager habe ich mir immer feste Listen gemacht – über Musik, die ich von nun an nur noch hören werde, bestimmte Kleidungssorten, die ich brauche (und andere nicht), in welchem Stil mein Zimmer eingerichtet werden sollte, welche Art von Büchern ich lesen will usw. Ich habe also versucht, das unglaubliche Überangebot da draußen und in meinen vier Wänden zu ordnen, indem ich bestimmte Sachen von vornherein kategorisch ausschließen wollte.
Das ist natürlich dumm, nicht zu realisieren und schafft eine extreme Zwangsituation.

Nachdem ich „Zen to Done“ von Leo Babauta gelesen habe (könnt ihr hier kostenlos runterladen), habe ich zum ersten Mal von der Bewegung des Minimalismus gehört, und warum dieser sinnvoll ist. Sein System, das Leben zu organisieren, ist mir aber etwas zu technisch. Ich liebe Papier und Stifte, und möchte das nicht aufgeben.

300 Bücher und Kartons voller Make-up?

Auch sonst habe ich nicht vor, dieses Klischee von leeren, sterilen Räumen mit wenigen Möbeln (die ich auch noch weiß sind) zu entsprechend. Ich liebe Gemütlichkeit und Dekoration.
Nur mal ehrlich: Brauche ich wirklich 300 Bücher, wo ich allein von der Hälfte weiß, dass ich sie in den nächsten 10 Jahren nicht mehr anfassen werde? Muss ich ein Technologiefriedhof für alte Laptops oder Handys haben? Brauche ich drei Kartons voller Make-up, wo ich doch meist eh nur Mascara trage? Muss ich Geschenke von lieben Personen aufbewahren, nur weil es eben nett gemeint war – obwohl sie diese wohl schon selbst vergessen haben? Und was ist mit Klamotten, in denen ich hoffe, mal wieder reinzupassen, Parfums, die aufdringlich sind, die ich aber irgendwann ja mal nutzen könnte, Ohrringe, die ich noch nie getragen habe, Pflanzen, die ich hässlich finde, Postkarten von Menschen, die ich nicht mal leiden kann, fünf verschiedene Bettwäschen (wo ich doch nur ein Bett habe), einer Seifensammlung, tausend Stiften, alten Uni-Unterlagen usw.

Nein! Das Zeug muss raus! Ich möchte hier wieder meinen Blick schweifen lassen können, ohne von all dem Gerümpel abgelenkt werden. Ich möchte sofort wissen, wo was liegt und was sich in welcher Schublade befindet. Das wäre einfach so befreiend.

Ordnung = Seele = Psyche = Gewicht

Und ich glaube, es ist ein ganz wichtiger Anstoß, mein Leben zu ändern. Es heißt ja, unsere Umgebung ist ein Spiegel unserer Seele. Und was ist da einfacher: Das, was man ändern will – sei’s das Gewicht, stärkeres Selbstbewusstsein, mehr Sport, Aufgeben schlechter Gewohnheiten – mit purer Willenskraft durchzuboxen, und immer nur kämpfen? Oder einmal einen einzigen Kampf gegen die Unordnung und die ganzen belastenden Dinge führen, und damit sein ganzes Innenleben zu ordnen?

Ich kenne mich. Sofern ich innerlich ruhig, ausgeglichen und klar bin, dann ist das mit dem Essen kein Problem. Insbesondere im Urlaub ist mir das oft aufgefallen. Da hatte ich Sonne, Strand und Meer, und habe keinen Gedanken an Zuhause verschwendet. Alles war so viel leichter und lief irgendwie von allein.

Ich sehe da eine Wechselwirkung zwischen all den Dingen. Ordnen wir unsere Umgebung, ordnen wir unsere Psyche, Seele oder wie immer man es nennen möchte. Und da Adipositas und extremes Übergewicht in den meisten Fällen psychische Ursachen haben, dürfte auch diese Komponente beeinflusst werden.

Ich werde es mit der Hilfe von Francine Jay aka Miss Minimalists „The Joy of less“ einmal anpacken, und schauen, inwiefern sich Dinge dadurch verändern. Sobald ich das Buch fertig gelesen habe, gibt es hier auch eine Rezension.

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9 Gedanken zu “Minimalismus als Anstoß, das Leben zu ändern

  1. Ich freue mich, daß Du in Deinem Alter schon darauf kommst. Aus 300 Büchern werden ruckzuck 2000 und mehr … so wie bei mir. Wenn ich diese Einsicht früher gehabt hätte, wäre mir einiges erspart geblieben. Kürzlich habe ich mein ganzes Make-Up weggeworfen und habe jetzt nur noch das nötigste. Aber ich habe noch viel vor mir, so viel, daß es mich manchmal verzweifeln läßt. Schön, daß Du es nicht so weit kommen lassen willst.

    Grüße
    Ute

  2. @ Bernd:
    Ja, das hast du sehr schön geschrieben. Natürlich nehme ich nicht ab, weil die Wohnung klar und ordentlich ist, sondern weil ich weniger esse und mich mehr bewege. Aber warum mache ich das bisher nicht so? Warum tu ich meinem Körper Schaden an, obwohl ich es eigentlich besser weiß? Das ist reine Selbstsabotage, und in gewisser Weise auch so etwas wie eine Sucht. Das kann man schwarz/weiß zeichnen, alles beim Alten belassen und sich von anderen Menschen, die von nichts eine Ahnung haben, dummes Zeug anhören, oder man kann es aufschlüsseln – versuchen, sich selbst und die Psyche des Menschen besser zu verstehen, um effektiv etwas dagegen zu unternehmen.
    Aber danke für deinen hilfreichen Tipp.

    @ Ute:
    2000 sind schon eine stolze Zahl 🙂
    Aber das Schöne ist ja, dass es für Einsicht nicht zu spät ist. Es bedeutet dann zwar eine Menge mehr Arbeit, aber wenn man bereit ist, die zu investieren, dann könnte das Ergebnis ja das gleiche sein.

  3. Ich finde entrümpeln- declutter, wem`s besser gefällt, eine wirklich gute Idee.

    Erstens wirst du dadurch wahrscheinlich eher als ich einen VitaMix besitzen. Einfach weil man sich weniger Dinge anschafft, die dann aber eher multifunktional und wertig. Oder eben nur die, die einem wirklich gefallen, dann kanns auch günstig sein.
    Jedenfalls wirst Du nicht nur eine Menge Geld sparen, wenn Du dem Prinzip; „1 rein- dann muss auch 1 gehen“ folgst, du wirst auch sehr viel schneller deinen ganz eigenen Stil finden, weil du rausfindest, was du wirklich magst, willst; und auf was du auf keinen Fall verzichten willst.

    Und das lässt sich auf alle Lebensbereiche übertragen 🙂

    Viel Spaß damit!

  4. ach, das kenn ich…

    Bei mir war es so, dass ich immer mit meinem Zimmerchaos klar kam.
    Bis plötzlich organisatorisches und emotionales Chaos dazu kam.
    Dann kam ich zum Schluss, dass man ein Chaos durchaus beherrschen kann, aber nicht mehrere. Und ein weniger „überreiztes“ Zimmer (Wohn-Schlaf-Koch-Arbeitsraum) kann nicht optimal sein.

    Wobei ich denke, dass es sicherlich auch Leute gibt, die ihr Chaos in der Wohnung für die wichtigen Momente ausschalten können.

    Sich von alten Dingen zu trennen, weil man sie lieb gewonnen hat, weil Erinnerungen dran hängen kann ein gutes Aufräumen sein. Allerdings für mich eher nur bei dingen, die ich nicht vermissen werd (mein problem ist, wenn ich „das Ding“ dann längere Zeit betrachte oder nochmal in die Hand nehm, kann ich mich dann dennoch nicht trennen davon… eher in „Umbruchzeiten“)

    „Aufräumen und Säubern“ kann aber auch einfach nur ein Verhalten von Aufschieberei sein. Man muss aufpassen sich dann nicht darin wieder zu verzetteln.

    Aber die Dinge zu durchdenken was man „wirklich“ braucht und was nicht ist schonmal ein guter Anfang. Am besten garnicht erst kaufen, wenn man weiß, dass es sehr wahrscheinlich eh nur rumliegt (steht ja auch in Ratgebern, dass man die ZEit, die man mit dem „Ding“ verbringen wird, sehr überschätzt… dein Beispiel war ja das Makeup)

    Also ich bin der Meinung das sowas insgesamt der „Konzentration“ dient bzw des „freien Athmens“, wenn nicht mehr so viel Kram im Zimmer rum steht. Je voller ein Zimmer desto weniger kann man sich darin wirklich konzentrieren. Fragt sich ob das für Wohnräume wichtig ist ^^

    Ich weiß nicht ob es bei dir auch so ist, aber bei mir ists so dass mir gewisse Routine und Struktur fehlen. Quasi auch fehlende Schwerpunktsetzung, ich glaub in dem Fall hilft so „äußeres Aufräumen“ auch dem „inneren Aufräumen“ ein wenig.

    Aber man muss schon wirklich für sich erkennen, wo quasi die psychischen Schwachpunkte stecken, nicht immer ist dieser „Zivilisationsüberfluss“ wirklich Schuld.

    Für mein Selbstbewusstsein mach ich zum beispiel regelmäßige Waldspaziergänge. Dienen auch der Strukur/Routine, Stressabbau, merke aber auch dass, wie gesagt, das Selbstbewusstsein von mir allgemein besser wird (quasi gekoppelt an Körpererfahrung, die Tatsache dass der Trainingszustand besser wird, weniger Ängstlichkeit usw). Das ist auch eine gewisse „Auszeit“, in der ich über diverse Dinge grübel und Lösungen finde, sich die Gedanken aber wärend des Laufens auch verflüchtigen.

    Theoretisch steht auch der Wald allgemein symbolisch für das Unterbewusstsein, theoretisch auch ein „Raum“ in dem man sein Chaos los wird.

    Nur so als weiterer Anreiz zum „Aufräumen“

    (Anmerkung: ja, ich weiß, manch einer würd es für lächerlich halten was ich schreibe, aber mir egal :D)

  5. @ unkraut:

    Nix lächerlich, das mit dem Wald kann ich so auch bestätigen. Bin dort früher immer sehr viel Fahrrad gefahren – etwa 10km von einem Dorf ins nächste, und fand das immer herrlich: grün, frisch, einsam. Ich kam da immer ein bisschen wie ein neuer Mensch raus.

    Natürlich überschätze ich das mit dem Zivilisationsüberfluss nicht. Das wäre auch alles ein bisschen zu einfach, nach dem Motto „Schmeiß deine Sachen ausm Fenster und alles wird gut.“
    Aber ich hab mich schon oft mal dabei erwischt, mir vorzustellen, wie es wäre, wenn ich einkaufen fahre & derzeit meine Wohnung komplett ausbrennt. Das war nie erschreckend, sondern immer befreiend. Weil ich so die Möglichkeit hätte, in einem komplett leeren Raum noch mal von vorn anzufangen.
    Ich habe schon so oft gemerkt, dass meine Wohnung mich lähmt oder ablenkt. Früher beim lernen – das ging gar nicht; da musste ich immer in die Bibliothek. Und auch heute fällt mir hier noch alles schwer. Das Kochen, die gesunde Ernährung, die Hausarbeit allgemein. Wenn ich zu Besuch bei anderen oder meinen Eltern bin, geht das aber alles wunderbar.

    Vielleicht habe ich auch ADS oder sowas, aber wenn ich hier bin, kann ich mich selten richtig konzentrieren. Ich hüpfe von einer Ecke in die andere, bin dauernd abgelenkt und gleichzeitig auch gelähmt. Wenn ich irgendwi etwas rumliegen sehe, was mich stört, dann ärgere ich mich drüber, stehe aber in den seltensten Fällen auf, um das gleich in Angriff zu nehmen.
    Lass es nur ein Komponente von 10 oder meinetwegen 20 sein, aber ich bin mir sicher, dass ich eine größere Veränderung, was mein Essverhalten und meine Gewohnheiten allgemein betreffen, spüren werde, sobald hier radikal klar Schiff gemacht wurde, Ich halte euch da auf dem Laufenden 🙂

  6. (Ich lese mich gerade durch deinen Blog und finde ihn klasse! Du hast sowas natürliches & einen schönen Schreibstil, gepaart mit einer netten Persönlichkeit – i like!)

    Ich finde, wenn man entrümpelt, dann entrümpelt man gleichzeitig seinen Geist/seine Seele. Wie innen so außen. Ich habe erst letztens meinen Make-up-Schrank aufgeräumt und die Hälfte davon verschenkt. Ich halte mich immer beim Aufräumen an meinen Leitspruch: Ein Gegenstand darf dich nicht besitzen. Das ist hilfreich, besonders wenn ich merke, dass ich das teure Parfum nicht verschenken möchte, obwohl ich es nicht mehr mag&benutze. Dann wandert es erst recht in die Verschenkkiste. 🙂

  7. Dankeschön, das ist echt lieb 🙂

    Und richtig. Manche Gegenstände entwickeln wirklich die Macht, dass man an ihnen festhält, obwohl man sie hasst, und sich wünscht sie nie gekauft oder geschenkt bekommen zu haben.

    Das Buch habe ich fast fertig gelesen (ich lese immer durcheinander, und brauche deswegen mit manchen Ratgebern recht lange ^^). Dann werde ich auf jeden Fall mal eine Rezi dazu posten.

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