Emotionales Essen

Noch vor zwei Jahren hätte ich Personen ausgelacht, die mir gesagt hätten, ich wäre ein emotionaler Esser. Ich hab mich nie als solcher empfunden, und fand die Ansätze aus Diätratgebern – Essen aus Frust, Liebeskummer oder Langeweile auch immer lächerlich. Ich hab gegessen, weil’s mir schmeckt, fertig aus.

Gut, aber es schmeckt doch auch anderen Leuten, ohne dass sie den ganzen Tag bis zum Erbrechen – sorry- fressen müssen, oder? Richtig. Irgendwas läuft also schief.

Und ich glaube, so langsam komme ich dahinter. Ich hatte bisher immer gedacht, emotionales Essen hätte etwas damit zu tun, Taschentücher voll zu weinen, während man vor dem Fernseher sitzt und eine große Packung Eis verdrückt. Etwas, was ich übrigens nie gemacht habe. Wenn’s bei mir mal schlimm war, habe ich mich verkrochen und geschrieben, und dabei eher weniger als sonst gegessen.

Aber eigentlich, und das ist für viele von euch sicher keine Überraschung, für mich aber schon, ist emotionales Essen ja überall. Das fing bei mir früher schon morgens beim Frühstück an: Das Radio lief, alles duftete nach Kaffee und frischen Brötchen und dem Aftershave meines Vaters. Besonders Frühstücken am Wochenende habe ich geliebt, wenn alle Zeit hatten, und wir oftmals bis mittags zusammen saßen. Das Mittagessen gestaltete sich ähnlich. Dann die vielen Nachmittage bei meinen Verwandten und Großeltern mit Kaffee und Kuchen und ganz viel Lachen. Selbst als kleines Kind wurde ich damit schon konfrontiert: Eine Klappstulle auf die Hand für draußen, während ich mit den anderen spielte, war das ganz große Abenteuer.
Als Abenteuer haben sich auf eine verschobene Art auch der obligatorische Kartoffelsalat und die Cookies am Strand angefühlt – oder die geschmolzene Schokoriegel nebst einer Bravo, die meine Cousine und ich uns immer aus dem Strandkiosk holten. Mit ihr habe auch immer heimlich Coladosen aus dem Keller meiner Oma, und Paprikachips (die wir liebevoll Verdauungschips nannten, praktisch Essen oben drauf, wenn man schon randvoll war … ähm) aus den Schränken ihrer Mutter geklaut, und das Ganze verspeist, während wir nachts heimlich Filme geschaut haben. Damit haben wir uns unglaublich cool gefühlt.

Mit meinem Vater war ich ständig irgendwo Eis essen. Er liebt das Zeug genauso wie ich, und so hat es das in meiner gesamten Kindheit in aller Regelmäßigkeit immer wieder gegeben (heute übrigens auch noch oft ;)). Eine Zeit lang waren wir beide auf einem Gesundheitstrip und sind abends regelmäßig Fahrrad gefahren – auch ein bisschen weitere Strecken von 20 oder 30km. Ist ja alles schön und gut, aber wir wurden nicht nur einmal ausgelacht, wenn wir erzählt haben, dass es dann unterwegs erst immer ein normales Waffeleis gab, dann später in einem Restaurant ein Milchshake (bzw. ein Bier für ihn) und am Ende noch einmal ein Eis bei McDonalds. Oh man. Aber es war großartig, und ich habe mich jedes Mal aufs Neue drauf gefreut. Scheiß auf Bewegung, Hauptsache es gibt was zu essen.

Ein anderes Highlight war und ist das Grillen in unserer Familie. Wird den ganzen Sommer durch in aller Regelmäßigkeit betrieben: Musik, Natur, alle Leute auf einen Haufen.
Und seit einigen Jahren hat sich auch das Frühstücken gehen eingebürgert: Man trifft sich bunt und munter in irgendwelchen Lokalitäten, um lecker Kaffee zu trinken, was zu Essen und den Morgen zu genießen. Das alles ist mehr als Essen; es ist das Zelebrieren dessen. Das Leben baut sich ringsherum auf.

Erst jetzt, wo ich zwanghaft versuche, meine Ernährung umzustellen, und dabei von einer Traurigkeit, und zeitweise sogar von Ängsten gepackt werde, realisiere ich, dass ich mein ganzes Leben schon Glücklichsein mit Essen verbunden habe. Dabei war es nie das Essen an sich, es waren die Menschen, die ich liebe und in deren Gesellschaft ich mich wohl gefühlt habe.

Nur hilft mir das Wissen kaum weiter, mich davon zu befreien. Wie soll das gehen? Diese Verbindung im Gehirn lässt sich durch Logik nicht aufknüpfen. Mit Abstand und reiner Willenskraft schaffe ich es zwar schon oft, standhaft zu bleiben, aber langfristig tappe ich immer wieder irgendwo in eine Falle. Und wenn ihr hier schon länger mitlest, dann wisst ihr ja auch, dass eine Ausnahme für mich oft den absoluten Genickbruch bedeutet (eine weitere Sache, die ich mit Logik nicht angehen kann).

Heute habe ich mich den ganzen Tag traurig und niedergeschlagen gefühlt, und dachte ständig „Wenn du jetzt nichts richtiges (sprich Ungesundes) essen kannst, was soll’s denn? Lass den Tag nur schnell vorbeigehen, dass du wieder ins Bett kannst.“
Erst als ich mir erlaubt habe, Kuchen zu kaufen, ging es mit meiner Gefühlslage wieder aufwärts.

Das kann es doch wirklich nicht sein?

Wie kann ich die Leere, die entsteht, wenn ich nichts esse (oder nur etwas, was mich nicht beschwert bzw. nicht als comfort food gilt), anderweitig füllen? Eigentlich eine rhetorische Frage, denn die Antwort kenne ich: Mit Leben.
Eine Verbindung zu Menschen finden, die mit Essen nichts zu tun hat. Aufhören, Angst zu haben, mutig raus in die Welt stapfen, und mich verwirklichen. Türen öffnen, wo sich andere schließen. Das eigene Dasein neu definieren.

Und Leute, ich schaffe das. Ich kriege das wirklich hin, das weiß ich. Nur manchmal, genauer gesagt heute, seufz …  ist es einfach so verdammt schwer!

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24 Gedanken zu “Emotionales Essen

  1. Hmpf. Jetzt sitze ich hier und heule solidarisch in meinen Kaffee…soweit zum Thema „emotional“ 😉
    Ich find’s toll, dass Du Dich selbst so offen und ehrlich reflektierst und ich wünsche Dir so sehr, dass du glücklich wirst.
    Aber NATÜRLICH wirst Du das, Du bist ja bereit an Deinen eigenen Türen zu kratzen und zu arbeiten…das wird schon. Jawohl 😉

  2. Hmmm…weißt du, wie du dich anhörst?
    Wie ich, wenn ich undercarbed bin.
    Ich dachte immer, ich wäre ein emotionaler Esser (also nicht Liebeskummer) sondern alles das, was du aufgezählt hast.
    Und irgendwie erschien mir mein Leben ohne all das oft nicht lebenswert, ich war traurig und deprimiert, weil alle das machen konnten nur ich nicht.
    Wenn ich nicht unter 2500 kcal am Tag komme, dann sind diese Gefühle völlig weg. Ich bin einfach nur glücklich, treffe mich trotzdem mit Freunden und hab vielleicht einen Salat oder einen Smoothie…aber nicht mehr mit diesem *ich Arme darf nichts anderes essen* Gefühl sondern mit Glücksgefühl.
    Niemand kann glücklich sein, wenn er hungert. Das holt einen früher oder später ein.
    Jetzt ist mein Leben nicht mehr Verzicht sondern Fülle und selbst wenn ich eine Ausnahme mache, dann ist es nur eine Ausnahme. Ich bin in der Lage ein paar Schokowaffeln zu essen und danach wieder so weiterzuessen, wie es mir wirklich gut tut.

    Lieben Gruß
    Kris

  3. Ich kann deinen Text sehr gut verstehen, ich habe auch so gefühlt früher. Allerdings aufs Rauchen bezogen. Hast du mal geraucht? Ich bin mehr oder weniger bei meiner Oma aufgewachsen, die geraucht hat. Dort war alles so gemütlich, wohlig, liebevoll. Ich habe sie sehr geliebt, als sie starb war ich 21 und am Boden zerstört. Sie war Raucherin und starb an den Folgen. Ich selbst habe mit 16 angefangen zu rauchen und habe mich sehr schwar damit getan, aufzuhören. Weil ich immer das Gefühl hatte, meine Oma zu verraten. Sie war Raucherin, sie war meine Seelenverwandte, also kann ich mich doch nicht gegen sie stellen und einfach aufhören. Ich habe mich sabotiert, wo ich nur konnte. Weiter zu rauchen hat ein Gefühl der Verbundenheit zu ihr erhalten. Außerdem fand ich es nie gemütlich, wenn es nicht verraucht war, heimelig nur mit einer dicken Rauschwade. Bekloppt für jeden Nichtraucher, oder? Nun rauche ich schon lange nicht mehr. Die ersten Tage waren hart – aber das ist jeder Entzug. Egal ob Kochkost, Rauchen, Alkohol, oder fettiges Essen. Aber dann wurde mein Leben immer besser. Mir wurde klar, dass meine Oma auf gar keinen Fall gewollt hätte, dass ich auch einmal an den Folgen des Zigarettenkonsums sterbe, dafür hat sie mich viel zu sehr geliebt. Und mir wurde auch klar, dass ich getrost aufhören kann und ihr trotzdem sehr verbunden bin.
    Also, wenn du dich gesund ernährst, schlank, gesund und glücklich bist (wirst?), wird dich deine Familie trotzdem noch lieben. Du bist dann immer noch eine von ihnen. Du kannst mit ihnen Spaß haben, lachen, feiern, du gehörst dazu. Es ist wer du bist und nicht was du tust, wofür sie dich lieben. Alles Liebe von Fruchtschnitte

  4. kann man nicht mit logik aufschlüsseln weil es das Unterbewusstsein ist, welches sich so leicht nix vom Bewusstsein einreden lässt es sei denn es „fühlt“, wie etwas anders auch gut sein kann.

    Ich mein: an dem Punkt ist vielleicht jeder mal.

    Die Antwort für das Füllen der Leere, „Leben“, ist eigentlich auch banal. Denn das erzählt einem wieder die Logik, aber ich glaub man muss erstmal gucken was „Leben“ für das Unterbewusstsein bedeutet.

    Das was du schreibst ist ja nicht nur „emotionales Essen“ sondern auch „soziales Essen“. Wenn man alleine ist hält man die „neue“ Ernährung meist durch (zumindestens solange emotional nichts fehlt). In Gesellschaft lässt man sich allerdings mitreißen, weil das Unterbewusstsein im Laufe des Lebens da Verknüpfungen hergestellt hat.
    Gibt Psychologen die erklären das anhand von Trampelpfaden, die im Hirn entstehen, wenn es was lernt. Je häufiger man Gesellschaft mit Essen und zudem positiven Emotionen verknüpft, desto häufiger werden diese Trampelpfade abgelaufen und irgendwann zu stärkeren Wegen.
    Meine Theorie ist dazu, dass man andere Pfade ebenso sehr oft ablaufen muss, damit sich neue Gewohnheiten dauerhaft speichern, sodass man sie ohne übermäßiger Mühe/Disziplin ablaufen kann.
    Die Tücke: das Unterbewusstsein muss die neuen Pfade ebenso attraktiv finden, die Logik hat da nicht unbedingt was zu sagen. Allerdings glaube ich, dass das Unterbewusstsein anpassungsfähig ist, sich auch mit nicht so guten Sachen abfindet und diese positiv nutzen kann, zumindestens sofern da eine Regelmäßigkeit drin ist.
    (Z.B. Menschen die es gewohnt sind wenig Ballaststoffe zu sich zu nehmen und Quasi keine Rohkost kennen. Die kriegen evtl zuerst Darmprobleme wenn sie versuchen von Heute auf morgen sich komplett umzustellen. Und denen schmeckt es dann vermutlich auch nicht. Haben sie sich aber langsam dran gewöhnt kann es sein, dass es weniger Probs macht und es ihnen evtl auch schmeckt, weil der Körper sich arrangiert hat.)

    Denke da muss man so einiges ausprobieren und gucken, was ein guter Ersatz ist fürs „emotionale“ Essen.

    Ne andere Theorie ist für mich, dass Essen manchmal auch ne Leerlaufaktion ist. z.B. vor’m Fernseher, weil das den Körper und Geist nicht ganz auslastet. Da tut es auch das Stricken oder Zeichnen, und wenn man am Ende auch noch ein schönes Bild oder eine gestrickte Tasche oder sowas da liegen hat, hat man zusätzlich eine Belohnung. Weiterhin lernt man immer was Neues dazu, was auch eine Belohnung sein kann.

    Leerlauf ist für mich aber manchmal auch, wenn ich einfach nur lust hab zu kauen. Da dann ich mich mit Gemüse ablenken, aber ich glaub bei mir ist da auch die Verknüpfung von Essen=Bewegung im Kopf. Man bewegt seinen Kiefer. Mag bei mir daran liegen dass ich an manchen Tagen tatsächlich nicht viele schritte gehe. Aber nach einem langen Spaziergang hab ich auch garnicht mehr so das Bedürfnis meinen Kiefer übermäßig zu bewegen. Heutzutage ists teilweise ja wirklich so, dass man „geistig“ manchmal total ausgepowert ist, aber körperlich quasi unterfordert.
    Ich vermute, dass es in der Natur vermutlich nie der Fall war, dass man sich ausschließlich geistig (quasi „virtuell“) beschäftigt hat, sondern dass die meisten Tätigkeiten immer an mehr Bewegung geknüpft waren als heutzutage, oder dass zumindestens Wegstrecken gelaufen werden mussten.

    Muss ja nicht jeder so ne faule Socke sein wie ich, aber bei mir wirkt das halt recht gut als ausgleich 🙂
    (auch wenn ich die letzten Wochen eher faul war, wegen dem Wetter. da lauf ich nur das nötigste)

  5. Danke für Deine Ehrlichkeit! =) Irgendwie ist das schon krass, welche Einflüsse das Kindesalter auf das spätere Leben hat. Ich finde es auf jeden Fall toll, dass Du Dich intensiv mit Deinen „Ernährungsbaustellen“ auseinandersetzt, es ist immer hilfreich wenn man erkennt, wieso man eigentlich so „dick“ wurde, dann kann man die Dinge Schritt für Schritt ändern und sich vom Übergewicht lösen..
    Alles Liebe für Dich 🙂
    Jessi

  6. Leere ist bei mir auch ein zentrales Thema. Mein Leben ist in jeder Beziehung ein Albtraum, wäre ich nicht schon lange emotional völlig abgestumpft, könnte ich es schon lägst nicht mehr ertragen. Da ist nichts Gutes, da ist nur völlige Leere. Also was mache ich, ich fülle die Leere mit Essen und stopfe mich voll. Besser geht es mir dann nicht, sondern mir geht es und mir ist es schlecht. Und kaum ist mir nicht mehr kotzübel fresse ich weiter weil ich es nicht aushalte, es nicht zu tun.

    Deinen Optimismus finde ich super und drücke weiterhin die Daumen.

  7. Ohh, was für ein toller Post! Danke, danke, danke! ich bin auch ein Emo-Esser, aber seitdem ich vegan lebe, geht alles viel einfacher. Früher hatte ich echt alle möglichen Probleme mit Essen, ich wusste immer, ich kann nur glücklich werden, wenn ich Frieden mit dem Thema schließe.Und auf einmal probiere ich Rezepte und koche (was ich früher hasste) – ohne Tierquälerei und fühle mich gut und gesund. Es gab eine Übergangszeit,ja, denn mein Körper kam mit dem Maß an Ballaststoffen nicht zurecht, ist ja logisch, vorher war alles ganz faul und hat sich nur bewegt, wenn oben was draufgedrückt hat. Jetzt ist alles selbstregulierend und normal. 😀

  8. Hallo liebe K., was du schreibst klingt ja schrecklich. Kann man dir in irgend einer Weise helfen? Ich bin sprachlos und schockiert über deine Antwort. Ich meine es aufrichtig und ernst, das Leben kann so schön sein, kontaktier mich, vielleicht kann ich (oder wir zusammen) irgend etwas tun!! Fruchtschnitte

  9. Oh Danke Fruchtschnitte, das ist aber rührend. Sorry, ich wollte niemanden schockieren, habe wohl etwas krass und emotional formuliert, wie ich mein Leben empfinde, vielleicht hätte ich es anders ausdrücken sollen, es geht hier ja auch gar nicht um mich. Wenn ich meinen Betrag jetzt nochmals lese, finde ich ihn etwas unpassend.

    Danke für das Hilfsangebot, aber ich glaube mir ist nicht wirklich zu helfen. Alle sagen, nur ich selber kann mir helfen, aber ich kann es halt nicht.

  10. Wow, danke Leute für das viele Feedback!

    @ Frollein Holle: Ich hab dir geantwortet! 🙂

    @ Kris: Hatte es ja schon geschrieben, aber dein undercarbed-Tipp war wirklich Gold wert. Juhu!

    @ Curlysue: Ich hab’s jetzt dank Kris erst mal wieder geschafft. Ich versuche im nächsten Artikel ein paar Tipps zu geben. Vielleicht hilft dir das auch weiter?

    @ Fruchtschnitte, nein, ich habe nie geraucht. Aber ich weiß, was du meinst. Es ist wirklich ein bisschen das gleiche. Ich habe nicht direkt und bewusst ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht mit den anderen mitesse – sondern ein Verlustgefühl, das ich bisher darauf bezogen habe, dass ich verzichten muss. Aber unbewusst spielt das ganz sicher eine Rolle … denn mit einem „ich möchte nichts, danke“ steht man irgendwie immer negativ im Mittelpunkt, hört irgendwo auf, dieses Zusammengehörigkeitsgefühl wahrzunehmen.

    Übrigens klasse, dass du es geschafft hast! 🙂

    @ unkraut: Ja, Trampelpfade, da war ja was. Wir sollten wohl nicht vergessen, dass jeder Anfang schwierig ist, und es sich immer komisch anfühlt, neue Gefilde abzustecken. Mit der Zeit wird es ja eigentlich immer einfacher. Das Trampelpfad-Bild hat sich bei mir jetzt wieder eingespeichert. Ich glaube, es könnte hilfreich sein, es sich in bestimmten Situationen immer wieder vor Augen zu führen – praktisch, dass man nicht umsonst kämpft, sondern nur so lange wie wild geworden herumspringen muss, bis sich das Gestrüpp lichtet, und man bequem laufen kann. Beruhigend .. hehe.

    @ Jessi: Dankeschön 🙂 Und ich hab mich auch früher schon oft mit der Frage beschäftigt, warum ich bin wie ich bin. Aber erst jetzt werden mir einige Sachen wirklich bewusst.

    @ Jane: Das konnte ich auch beobachten, dass vegan leben die Pfunde ohne Anstrengung purzeln lassen hat. Zumindest damals. Als ich das 2007 zum ersten Mal ausprobiert habe, hab ich richtig viel abgenommen, ohne zu verzichten. Mein Pech bzw. mein Glück war, dass es damals noch nicht so viele vegane Produkte gab. Meine große Schwäche waren immer Süßigkeiten, und mit mal hatte ich nur noch Mr.Tom und Ritter Sport Marzipan (Zartbitter mochte ich nicht). Gut kochen konnte ich nicht (kann ich immer noch nicht), also gab es meist Gemüsesuppe. Ich hatte mich weiterhin mit allem vollgestopft, was ich zwischen die Finger bekam, aber das war eben nicht mehr so viel wie davor bzw. hatte in vielen Fällen auch nicht die gleichen Kalorien. Da ging alles ganz leicht, und das Verzichtgefühl war verschwunden, weil man ja einen Grund hatte und konsequent sein wollte. Kein Platz für Selbstmitleid oder ein jammerndes „Ich darf nicht…“

    Nur heutzutage ist es ja kein Problem mehr, sich vegan zu mästen. Mittlerweile gibt es ja fast überall alle Sünden in rein pflanzlich…

  11. K., mach dir keinen Kopf, dein Beitrag ist nicht unpassend!
    Ich finde es auch traurig, was du über dein Leben schreibst. Und jein, es stimmt, stimmt aber auch nicht, dass man sich nur selbst helfen kann. Die Frage ist ja immer, was die Ursache für den Sumpf ist, in dem man sitzt. Sind es äußere Umstände, schlechte Beziehungen oder ähnliches? Oder eher Depressionen und Angststörungen? So oder so: Andere können einem helfen, aber man muss dazu bereit sein. Man kann sich selbst helfen, indem man sich der Möglichkeit öffnet, dass andere sich in einen einfühlen können, und dass sie in der Lage sind, einen an die Hand zu nehmen, und das Leben von einer anderen Perspektive zu zeigen.

    Ich bin kein unglücklicher Mensch, aber ich hatte trotzdem schon oft Phasen, in denen ich verzweifelt war, und nicht weiter kam. Und manchmal waren es solche Kleinigkeiten, die mein ganzes Weltbild umgeworfen haben … sodass mit einmal alles wieder Sinn gemacht hat, und man hinter die Mauer schauen konnte. Ich fand es immer wieder faszinierend, wie sehr man davon überzeugt sein konnte, den Überblick zu haben und alles zu verstehen, und dann nach einem bestimmten Erlebnis zu erkennen, dass man vorher rein gar nichts richtig verstanden hat, und nur in einem geschlossenen Raum gesessen hat. Oder wie Sylvia Plath es so schön formuliert hat: Unter einer Glasglocke. Abgetrennt von all den Reizen, die einen mit Leben durchströmen.

    Ich wünsche dir für die Zukunft die Kraft, dir irgendwo Hilfe zu suchen, und dass du trotz deiner Leere und emotionalen Abgestumpftheit irgendwo ein Fünkchen Hoffnung hast, dass es besser werden kann. Es ist sicher nicht einfach, das sagt auch niemand, aber es ist es wert … du bist es wert!
    Eine Phrase, aber es stimmt: Es ist nie zu spät, nochmal ganz von vorn anzufangen. Ich drücke dich!

  12. Hallo K., auch von mir noch einmal: Du hast absolut Recht, nur du kannst dir helfen. Und Cookie hat auch Recht, denn sich selbst helfen kann auch daraus bestehen, sich (endlich) helfen zu lassen. Mein Lieblingswitz dazu: „Ein Mann in einem See droht zu ertrinken, da kommt ein Boot und fragt kann ich dir helfen? Da sagt der Mann Nein Danke Gott wird mich retten. Da kommt ein Zweites Boot und fragt wieder kann ich dir helfen ? Da sagt der Mann Nein Danke Gott wird mich retten. Da ertrinkt der Mann . Im Himmel angekommen fragt der Mann Gott, warum hast du mich nicht gerettet ? Da sagt Gott: ich habe dir 2 Boote geschickt, du Idiot!“
    Also, mein Angebot steht, ich bin gut darin, Menschen an die Hand zu nehmen, sich aus Sümpfen zu ziehen. Es gibt immer eine Möglichkeit, ganz sicher!
    Fruchtige Grüße, Fruchtschnitte

  13. Ich mache mir auch immer noch 1 x pro Jahr einen gekochten Vanillepudding mit Rhabarberkompott…als nettes Kindheitsessen. Dabei bin ich eigentlich gar nicht so der Rhabarberfan.
    Vor einer Weile wurde ich mal wieder von einer „Produktverbesserung“ eingeholt und habe was gegessen, was ich nicht sollte: schlimmste Ärger/ Frust/ist jetzt eh egal, wenns mir schon schlecht geht Reaktion. Ich habe etwa eine halbe Stunde über Essen halluziniert, das ich sonst noch nicht mal mag. Da ist es gut, wenn man einen Zuhörer hat – hinterher haben wir gelacht und ich mir was Gesundes gemacht.
    Deshalb kann ich das wirklich gut nachvollziehen, aber:
    Ich würde meine Familie treten. Gilt hier auch für Freunde oder Lebenspartner.
    Entweder sie meinen es nicht ehrlich mit der Unterstützung, oder sie boykottieren Dich unbewußt. Sowas führt bei mir immer zu eher unangenehmen, nein, inquisitorischen! Gesprächen.
    Das muss manchmal einfach sein, Reibung hin oder her, zur Klärung.
    Manche Leute sagen nämlich: natürlich, (auch weil sie das Gefühl haben, dass sie das, politisch/gesellschaftlich korrekt und so, sagen müssen), find ich toll mit Deiner (lang überfälligen ..) Weiterentwicklung, selbstverständlich unterstütz ich Dich … solange Du irgendwie so bleibst wie Du bist. So ein bisschen schächer als ich, bisschen ausnutzbar, immer nett eben.

    Wenn frau sich dann distanziert, wird der sich einstellende Erfolg relativiert in: Früher habe ich Dich aber mehr gemocht. Stimmt. Jetzt mag ich mich lieber.

    Neinsagen üben, das schlechte Gewissen dabei hinterfragen..

    Ganz liebe Grüße, Katja

    @ K.
    Kein Spaß mehr an gar nichts? Klingt für mich nach Burnout, und nein, das bekommen nicht nur die Managertypen. Da kenn ich ne Menge Leute – und da empfehle ich wirklich einen Psych aufzusuchen – bezahlt die Kasse und hat langfristig allen, die ich mit BO kenne, geholfen. Machen musst Du es ja trotzdem selber. Glück auf!

  14. Danke Euch für de lieben Worte und die Empathie. : )

    Burnout trifft es nicht ganz, chronische psychische Erkrankung von früher Jugend an, mit schwerer Depression, Essstörung und noch so einigem mehr. Meine ganzen Therapien kann ich bald nicht mehr zusammen zählen.

    Zum eigentlichen Thema kann ich heute beitragen, dass ich mir eben nach einem viel zu großen Mittagessen einen Trost Milchkaffee to go mit viel Zucker, Trost Kuchen beim Bäcker und noch Trost Süßes im Supermarkt geholt hab, dann noch Cola light, weil ich ja auf Kalorien achte. ; ). Weder figürlich noch finanziell kann ichs mir leisten und machs trotzdem. Ich glaub ich esse mal den Kuchen dann geht es mir ganz bestimmt gleich viiiel besser, ganz bestimmt. Ach….

  15. Zwar wurde bereits alles gesagt, aber ich möchte dir noch einmal ein großes Lob zu deiner Ehrlichkeit gegenüber dir selbst aussprechen 🙂 In meinem Leben spielt das (emotionale/soziale) Essen auch eine viel zu große Rolle.
    Meinst du, ich könnte die Situation verbessern, indem ich die Beschäftigung mit Essen auf das Zubereiten von Frühstück und Lunch beschränke und darauf achte, nicht darüber zu reden oder mich sonstwie damit auseinanderzusetzen ?
    Das würde mich dazu zwingen, mir eine andere Tätigkeit (und ich traue mich zu sagen „Lebensinhalt“) zu suchen.

  16. Bist du denn übergewichtig, Katharina? Bzw. möchtest du abnehmen/fitter werden? Oder hast du sonstwie das Gefühl, dass deine Lebensqualität durch die Gedanken ums Essen eingeschränkt ist?
    Falls nicht, sehe ich das gar nicht kritisch. Wenn man Spaß am Kochen und Zubereiten hat und auch drüber bloggt, klingt das für mich eher wie eine Leidenschaft 🙂

    Du meinst, du willst nur noch Frühstück und Mittag essen? Oder dir nur da Mühe mit der Zubereitung geben?
    Ich persönlich wär kein Fan davon, Mahlzeiten ausfallen zu lassen. Aber ich mag’s häufig richtig schön einfach: Schnell, wenige Zutaten und ohne groß nachzudenken. Aber da muss wohl jeder für sich allein ausprobieren, womit er sich am wohlsten fühlt.

  17. Danke für deine schnelle Antwort.

    Nein, mein Gewicht liegt innerhalb der Norm. Derzeit bin ich dabei fitter zu werden, es funktioniert prima 🙂

    Wenn sich im Kopf ständig alles ums Essen dreht, spricht man von einer Obsession. Ich bin dabei „obsessed“ zu werden, das möchte ich nicht. Schon seit einiger Zeit habe ich das Gefühl an der Grenze zur Essstörung zu schlittern, da möchte ich nicht noch einmal hin. Trotzdem koche ich gerne und bin fasziniert, wie man Zutaten kombinieren, und so immer wieder neue Kreationen schaffen kann.

    Mittlerweile habe ich einen Entschluss gefasst : das Thema Essen wird aus meinem Leben verbannt. Die Ausnahme : Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Letzteres erwähnte ich vorhin nicht, da eine Suppe sich praktisch von selbst macht 🙂 Und die zweite Ausnahme : Food-Bloggen (Schreiben und Lesen), da erlaube ich mir, jeden Tag maximal eine Stunde zu investieren.

  18. Hm, ich bin nicht sicher, ob ich dich richtig verstehe. Was sind denn genau die negativen Auswirkungen deiner Obsession? Ich meine, die Grenzen sind da ja fließend. Solange es nichts gibt, worunter man wirklich leidet, man Spaß hat und sich glücklich fühlt, ist man doch eigentlich ganz normal in etwas vernarrt, oder?
    Hast du denn Angst, zu viele Kalorien zu dir zu nehmen? Dich nicht ausgewogen genug zu ernähren? Oder Angst, irgendwas Falsches zu essen? Worin könnte eine mögliche Ess-Störung bestehen?
    Oder ist es einfach nur so, dass du nicht gern übers Essen nachdenkst, aber einfach das Gefühl hast, dass du es müsstest?

    Vielleicht bündelst du auch nur zu viele kreativen Energien in dir, und sie brauchen ein Ziel, auf das sie sich konzentrieren können – und wollen nicht einfach nur so in den Tag hineinleben. Hast du dir schon mal überlegt, beruflich etwas in der Hinsicht zu machen? Oder auch nur nebenberuflich? (Koch/Backseminare, Kochbücher schreiben, professionelles Food Blogging o.ä.?)

  19. Danke, dass du dich meiner ein wenig annimmst.

    Leider muss ich alle deine Fragen mit „Ja“ beantworten. Ich bin wirklich verwirrt, was ich denn nun essen soll. Frau „30-Bananas-a-day“ hat mein Leben verändert. Ihre Beiträge habe ich übrigens durch dich entdeckt. Danke 🙂 Allerdings weiß ich jetzt, dass ich Eiweiß nicht per se brauche, sondern nur die Aminosäuren. Und mein Fettbedarf lässt sich auch durch einen Esslöffel Leinöl oder Ähnliches decken. Habe ich das richtig aufgefasst ? Das Irritierende an der Geschichte ist nun aber, dass ich es lange völlig anders gemacht habe (ganz nach den konventionellen/gängigen Ernährgungsratschlägen) und es mir damit ganz gut ging. Nun bin ich versunsichert und beginne, das, was ich Esse auf (rohes) Obst und Gemüse zu beschränken. Die Frage ist, ob das auf Dauer die Lösung ist. Mit dem Verzehr von Nudeln oder Brot oder noch schlimmer : veganen Keksen geht eine riesige Woge von schlechtem Gewissen einher.

    Ich erwarte mir jetzt überhaupt nichts von dir, wollte ich dir doch nur deine Fragen beantworten und mich dir mitteilen 🙂

  20. Okay. Aber ich weiß nicht, ob du dich deswegen wirklich hättest bei mir bedanken sollen – oder mich lieber schlagen.
    Ich bin zwar der Meinung, dass Obst und Gemüse (natürlich) besser sind als vegane Kekse, aber das heißt ja nicht, dass die Kekse, sofern mit Liebe und alternativen/vollwertigen Zutaten gebacken, eine Katastrophe sind. Lass dich da nicht verunsichern und in irgendwas mit reinziehen.

    Wenn du bereit für 80/10/10 bist und es wirklich ausprobieren möchtest, dan mach es mit vollem Herzen und aus voller Überzeugung. Vielleicht im Sommer, wenn es etwas wärmer ist, das Obst leckerer und günstiger?

    Wenn du spürst, dass du noch Zweifel hast, ob du das wirklich schaffst oder dauerhaft willst, dann überleg dir am besten von vornherein ein „System“, das noch Raum für deine Kekse lässt, sodass du sie ganz normal und geplant essen kannst. Zumindest vorerst.
    So mache ich das auch. Ich esse viel, viel Obst und trinke Grüne Smoothies, und habe Tage an denen ich bis zu 80% roh bin. Aber ich erlaube mir derzeit auch noch hin und wieder Kaffee, mal ein Eis oder Schokolade; ganz ohne schlechtes Gewissen.

    Ich hoffe ich klinge nicht wie ein Klugscheißer, der dir etwas aufdrücken will. Nein, ganz und gar nicht. Ich bin mir sicher, dass du das schon schaukelst, und dein Ding machst 🙂
    Ich hab jetzt nur ein schlechtes Gewissen, dich mit den Informationen hier verwirrt zu haben oder dir die Freude an deinen tollen Leckereien genommen zu haben. Das ist wirklich nicht SInn der Sache!

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