Kann zu viel Obst ungesund sein?

Kann zu viel Obst ungesund sein? Silke von rohelust.com meint ja. Und in diesem Zusammenhang spricht sie hier auch davon, dass es so etwas wie „undercarbed“ nicht geben wurde bzw. dass das nur ein Zustand von Zuckersucht wäre. So wie Kaffeejunkies und Raucher zittrig werden, wenn sie keinen Nachschub bekommen, wird eben auch ein Mensch auf Fruktoseentzug unausstehlich.
Gut, ich würde das weiterhin als Hunger und nicht als Entzug bezeichnen, aber da steht es natürlich jedem frei, seine eigenen Bezeichnungen zu finden.


Undercarbed“ hat aber meiner Meinung nach nicht ausschließlich etwas mit Obst zu tun. Es geht einfach nur darum, dass man zu wenig gegessen hat. Natürlich kann man sich auch mit Fetten und Eiweißen vollstopfen, um die Sache besser zu machen, aber wollen wir das? Macht das Sinn?
Für alle, die LowCarb betreiben bzw. irgendeine Atkins/Strunz-Diät befolgen vielleicht schon. Für mich, die Fette so weit es geht, zurückschrauben möchte, und auf tierische Produkte verzichtet, eher nicht. Also gilt es, sich an Kohlenhydraten satt zu essen.
Obst ist hier ideal, aber natürlich kann man auch ganz normal Reis, Hirse, Kartoffeln, gekochtes Gemüse oder ähnliches essen. Auch damit erreicht man einen Zustand der Zufriedenheit. Und damit wäre Silkes These, dass dieser aus einem Zuckerrausch resultiert, schon widerlegt.

Fruktose ist immer gleich Fruktose?

Was mich aber wirklich an ihrem Artikel stört, ist, dass sie als Medizinstudentin in ihrem ganzen Artikel nicht einmal zwischen isolierter Fruktose und dem Gesamtpaket Obst differenziert hat. Ganz im Gegenteil – sie schreibt zwar, dass Obst immer noch besser ist, als industriell gefertigte Süßigkeiten, spricht dann aber doch von raffiniertem Zucker, um seine Wirkung im Körper zu beschreiben. Und das ist einfach lächerlich.

Auch die Behauptung, dass man mit Obst Defizite entwickelt, aber nicht davon merkt, weil die Fruktose high macht, und man sich ausgesprochen gut fühlt, finde ich komisch. Wenn ich zu viel Schokolade, Kekse und Kuchen gegessen habe, habe ich mich merkwürdiger Weise niemals gut gefühlt. Nein, mir wurde irgendwann schlecht, und langfristig war ich kraft- und energielos. Warum ist das bei süßen Früchten anders?

Zucker ist nicht gleich Zucker. Es ist immer die Frage, an was er gebunden ist.
Das zeigt auch die Tatsache, dass Fruktose allgemein als Übeltäter bekannt ist, besonders als Auslöser für Übergewicht und viele Krankheiten, man aber mit 80/10/10, Fruktose aus Früchten in rauen Mengen bei 2000-4000 Kalorien abnimmt, und sogar diverse Zimperlein heilen kann.


Der Mensch ist nicht perfekt; er versteht so vieles nicht. Er ist nicht einmal in der Lage, das perfekte Multivitaminpräparat zu entwickeln, weil immer wieder Erkenntnisse zu neuen sekundären Pflanzenstoffen und anderen Substanzen hinzukommen, die jeweils die Assimilation der einzelnen Elemente begünstigen, und deren Nichtvorhandensein diese verhindert. Er ist, wie es scheint, auch nicht wirklich in der Lage, herauszufinden, unter welchen Bedingungen B12 nun aufgenommen werden kann, und wann exakt es ungenutzt wieder ausgeschieden wird.

Ich stelle mir die Intelligenz der Natur immer wie ein riesengroßes System mit hunderten kleinen Zahnrädern vor, die alle perfekt ineinander greifen, und das Bewusstsein des Menschen als ein System aus maximal 10 größeren und groben Zahnrädern, mit dem man glaubt, die Natur imitieren zu können. Das kann nicht funktionieren. Klar, oberflächlich verstehen wir einiges, aber die ganzen Zwischentöne fehlen.

Wir können Fruktose einzeln gesehen nicht genauso betrachten wie ein Stück Natur. Isolierte Fruktose kann der Mensch greifen, Obst als Ganzes jedoch nicht.

Habt ihr jemals Studien gelesen, in denen es heißt, zu viel Obst und Gemüse in ausgewogenen Anteilen würden gesunde und allergiefreie Menschen auf Dauer schädigen? Oder wurdet ihr schon einmal vor Äpfel, Bananen oder Gurken gewarnt?
Nein? Dann um Gottes Willen, esst euch daran satt, ohne jeden Bissen zu hinterfragen 😉

Ich für mein Teil weigere mich, etwas in den Dreck zu ziehen, was die Natur erschaffen hat, was nicht giftig ist, was den Körper mit lauter wertvollen Stoffen versorgt, und was so unglaublich gut schmeckt.

Gut ist, was gut tut, und zwar so lange es gut tut. Ist doch ganz einfach oder?

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8 Gedanken zu “Kann zu viel Obst ungesund sein?

  1. Hallo Windimhaar – dies richtet sich nicht gegen dich, sondern hauptsächlich an die in Deutschland lebenden 801010 Leute 😉
    Ich bin der Meinung, dass man auch andere Aspekte betrachten sollte.
    Wenn man schon so naturverbunden wie möglich leben will, dann ist es erforderlich, sich die Natur wie sie gerade jetzt ist anzusehen.
    Was sieht man in Deutschland? Schnee, Eis…es ist frostig! Kaum grüne Wildkräuter, geschweige denn Obst gibt es zu entdecken. Ich denke, es ist höchst unnatürlich und ja schon körperfeindlich sich bei solchen Wetterverhältnissen von 80% Obst und mehr am Tag zu ernähren, fetthaltiges komplett auszuklammern und nur ab und an auf einem grünem Blatt erhumzukauen.
    Noch dazu hochgezüchtete Hybriden-Früchte, die dem Körper mehr Nährstoffe entziehen, als dass sie ihm welche geben. Es macht wenig Sinn, Obst zu essen, wenn einem kalt ist und man draußen friert. Der Körper wird durch die Früchte ausgekühlt – dazu sind sie ja schließlich da – um uns zu kühlen und uns an warmen bis heißen Tagen mit ausreichend Wasser zu versorgen. Wenn ich jetzt aber morgens 1Kilo Obst esse (manche sogar 2, 3 Kilo…) dann ist es kein Wunder, wenn mir 10 Minuten später kalt wird und ich 30 Minuten später auf Toilette rennen muss (um das sooo gute Zellwasser des Obstes)wieder loszuwerden. Der Körper ist nicht blöd. Er tut immer IMMER das richtige und er macht alles zu unserem Nutzen 😉 (meiner Meinung nach…)
    Doch wovon kann man sich „natürlicherweise“(wenn es sowas überhaupt noch heutzutage gibt) bei solchen Temperaturen ernähren? Was braucht mein Körper? Es ist wohl allgemein bekannt, dass Fett wärmt, oder?
    Ich habe für mich selbst erheblich Veränderungen feststellen können. Im letztem Winter habe ich auch 80% Obst gegessen und abends dann mal etwas grünen Salat und eine Hand voll Nüsse. Mir ging es monatelang richtig schei…
    Nun esse ich eine Schüssel Obst nachmittags und abends dann Grün, Gemüse, Kokosnuss/Oliven oder/und rohes Tierisches. Seitdem ich so schlechte Erfahren mit der roh veganen Dogmen-Szene gemacht habe, habe ich endlich (und nicht nur ich 😉 klar es gibt immer unterschiedliche Menschentypen; die einen vertragen eher weniger Obst, die anderen mehr usw.) wieder zur Gesundheit gefunden. Mein Körper strahlt nun regelrecht, ich habe endlich das erreicht an Energie, was ich mir solange von der veganen Rohkost (und ich habe viele Formen der veganen Rohkost ausprobiert)erhofft hatte. 🙂
    Naja, nun sehe ich, ich habe einen ganzen Aufsatz verfasst 😀 Sry, aber ich wollte es mal kurz loswerden 🙂

    liebe Grüße
    Anika von rohsinnig.blog

  2. Hey Anika,

    nunja, es muss natürlich jeder für sich selbst rausfinden, was ihm gut tut. Wenn einem nach zu viel Obst kalt wird, man Magenschmerzen bekommt oder eine leichte Fruktoseintoleranz hat, dann sollte man diese Signale natürlich nicht überrennen. Das hat dann aber auch nichts mit dem Obst selbst zu tun, sondern mit den individuellen Gegebenheiten.

    Mir wird nach zu viel Obst nicht kalt, sofern ich sie nicht gerade im Kühlschrank aufbewahrt habe. Und ich liebe es derzeit, 1-1,5kg Orangen oder ganze Honigmelonen zu essen.

    Die Frage nach den klimatischen Bedingungen und der natürlichen Anpassung ist mir zu verkrampft und zu weit hergeholt. Ich weiß nicht, wie das bei anderen ist, aber ich sitze in geheizten Räumen, höre Karibikmusik, träume vom Sommer und supplementiere Vitamin D 🙂
    Müsste ich in einer Höhle hausen und hätte nur ein Lagerfeuer, um mich zu wärmen, würde ich die Sache mit den wässrigen Obstmahlzeiten sicher auch noch mal überdenken. In einem natürlichen Umfeld leben wir doch schon lange nicht mehr. Ich für mein Teil möchte mich möglichst natürlich ernähren – weniger auf Komfort, Betten, Warmwasser, Heizungen und Co. verzichten.

    Nein, aber generell gebe ich dir schon recht. 80/10/10 ist wahrscheinlich nicht gerade für deutsche Winter gemacht. ^^

  3. Ich glaube, die perfekte, natürliche Ernährung für deutsche Winter gibt es auch nicht.
    Denn hätten wir uns die Natur nicht künstlich zurechtgemacht, könnten wir gar nicht leben.
    Und mal ganz ehrlich: Salate, Kokosnüsse und Oliven wachsen hier nun auch gerade nicht. Eigentlich wächst hier gar nichts.
    Und genau deswegen hocken wir ja auch in geheizten Wohnungn und packen uns draussen warm ein.

    Ich hab im letzten Winter von Grünzeug und Fett gelebt und die ganze Zeit gefroren wie verrückt.
    Diesen Winter lebe ich von reichlich Kohlenhydraten in Form von Obst, Nudeln, Reis, Hirse und wenig Fett, meist in Form von Avocados und ich friere eigentlich gar nicht.
    So wenig, das mich schon jeder drauf angesprochen hat, ob ich mir mal was Dickes anziehen will. Brauche ich aber nicht, wenn ich eben nicht friere.

    Und ich kenne den Unterschied zwischen unterzuckert und undercarbed ziemlich genau.
    Ich hatte früher ständig Bltuzuckerschwankungen. So schlimm, dass ich immer Traubenzucker in der Tasche hatte, weil ich oft Angst hatte, einfach umzukippen.
    Bis hin zu Schwangerschaftsdiabetes…
    Weg ist das erst, seit ich meine Ernähung umgestellt habe. Denn jeder andere Zucker führt bei mir zu Unterzuckerung, wenn ich ihn gegessen habe. Obst nicht.
    Es ist also definitiv ein Unterschied, ob man das ganze Obst isst oder isolierten Fruchtzucker oder anderen raffinerten Zucker.
    Mein Blutzucker hat sich mit vielen Kohlenhydraten und wenig Fett total entspannt.

    Muss ja nicht jeder toll finden, aber so lange es mir damit so viel besser geht, wäre ich ja schön blöd, wenn ich was ändern würde, nur weil es irgendwelchen anderen Leuten nicht passt.

    Lieben Gruß
    Kris

  4. was bei obst allerdings fies ist, ist, dass es die zähne kaputt macht. die fruchtsäure weicht den zahnschmelz auf, der zucker tut sein übriges. und da man obst gut kauen muss, kann das schon zum problem werden, v.a. wenn man immer wieder obst zwischendurch isst.
    dass man nicht von warnungen vor zuviel obst hört, liegt aber wohl eher daran, dass die allermeisten leute sowieso viel zu wenig obst essen, sodass sich die notwendigkeit nicht stellt.
    vor rohkosternährung wird aber gewarnt, und da ist der obstanteil ja typischerweise ziemlich hoch. ich glaub bis man die menge erreicht, ab der obst schädlich wird, muss man schon echt viel essen, das schafft man kaum.
    nicht direkt ne warnung, aber hier wird schon deutlich davon abgeraten, zu viel obst zu essen. „Problematisch wird es jedoch, wenn man sich (fast) ausschließlich von Obst ernährt. Denn obwohl es überaus gesund ist, enthalten Früchte nicht alle wichtigen Stoffe, die der Körper braucht. Zum Beispiel fehlt Eiweiß, Fett, bestimmte fettlösliche Vitamine sowie B-Vitamine. All diese Stoffe erfüllen wichtige Funktionen im Körper. Ein Mangel könnte den Stoffwechsel durcheinander bringen, was unter Umständen auch zur Gewichtszunahme führen kann.“
    http://www.kochbar.de/cms/ernaehrungsberatung/zuviel-obst-ungesund.html

  5. Ich stimme da Kevin Gianni oder Tim Ferris zu, die gerade bei Ernährungsumstellungen oder strikten “ Diäten“ für regelmäßige Bluttests plädieren.
    Der Körper ist unheimlich anpassungsfähig, und während es einem (noch) gut geht, kann es sein, dass man sich bereits in einer Phase befindet, in der der Körper Mangel/Ungleichgewichte kompensiert. Das wirkliche Unwohlsein findet erst statt, wenn der Körper dazu nicht mehr in der Lage ist – sprich, die Reserven sind aufgebraucht: Dekompensation, und das ist eigentlich für optimale Gesundheit schon zu spät.
    Leider verschlechtert sich das Allgemeinbedinden ja nicht wie bei einer spontanen Erkrankung sofort und merklich, sondern so langsam, dass es eben nicht so schnell registriert wird. Und regelmäßige aussagekräftige Test machen wohl die wenigsten, einfach weil das die Kasse nur bei Einnahme von blutbildverändernden Medis zahlt 😦

    Ich bin dafür, keine Angst vor dem Essen zu haben, aber trotzdem aufmerksam zu bleiben – und nicht gleich jeden kritischen, vielleicht besorgten Kommentar aus dem Umfeld einfach so abzutun.
    Guten Hunger uns allen!

  6. Also ich gebe mein Essen ja fast immer in das Chronometer-Programm ein und ich habe nie Probleme mit den B-Vitaminen.
    Ich frage mich, woher diese Behauptung kommt?
    Ich habe B1-2-3-5 und 6 mit deutlich mehr als 100%. B12 natürlich nicht, aber das supplementiere ich.
    Ich liege immer so ein 60 bis 65 gr Protein und auch die Fette sind dabei, eben die guten, den Obst und Grünzeug enthält nunmal auch Fett und Eiweiß.
    Alle essentiellen Aminosäuren sind abgedeckt und bei den fettlöslichen Vitaminen bekomme ich nur bei Vitamin D mein Soll nicht voll.

    Und wenn wir irgendwann mal Geld überhaben, dann werde ich auch einen Bluttest machen.
    Ich mache mich da allerdings nicht verrückt, denn ich habe einiger Bluttests von Langzeitobstlern gesehen und die waren eher motivierend.
    Aber ich hoffe, ich bekomme das dieses Jahr auch noch hin.

    Die Zähne leiden nur, wenn man unreifes Obst ist und das tun leider die Meisten, weil sie sich mit Obst einfach zu wenig auskennen.
    Neulich habe ich sogar eine Werbung von Chiquita gesehen, die sogar damit werben, das ihre Bananen länger gelb (also unreif) bleiben…was für ein Quatsch!

    Es scheint also dabei zu bleiben, das es einigen damit eben gut geht und anderen nicht.
    Muss ja auch nicht jeder machen…jeder so, wie er mag!

    Lieben Gruß
    Kris

  7. @ Kris:
    Das Chronometer-Argument ist wirklich unschlagbar 🙂
    Das mit den Zähnen war auch immer meine Sorge. Aber dafür, dass Fruchtsäuren da so super schlimm sein sollen, hört man tatsächlich wenig davon von den, die sich über Jahre fast hauptsächlich davon ernähren – bzw. wenn, dann meist positive Sachen.

    @ Lisa
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    Ich hoffe, das hilft 🙂

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