Über die Angst vorm Sport

shoes

Die Angst, mal wieder… Sie ist allgegenwärtig. Eine einzige Konstante in meinem Leben. Ich habe vor allem Angst. Und wenn man mich bittet, die Gründe hierfür zu benennen, dann finde ich sie selbst lächerlich.

Gut, Angst ist notwendig und wichtig. Sie bewahrt uns davor, von Dächern zu springen oder uns in kritischen Situationen mit Personen anzulegen, die dreimal so groß sind wie wir selbst 😉

Wenn es aber darum geht, dass man Angst vor der Angst entwickelt, dann ist das ein sicheres Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Man fürchtet sich vor etwas, was gar nicht da ist oder einfach kein guter Grund dafür ist, sich zu verstecken.

Schulsport – eine Qual


Das beste Beispiel bei mir: Schulsport. Ich habe ihn immer gehasst und gefürchtet.

Nicht die Bewegung selbst; ganz im Gegenteil. Ich habe in jungen Teenagerjahren zum Beispiel eine Zeit lang Volleyball im Verein gespielt. Oder gern mit meinen Cousinen, Cousins, Bekannten und Freunden Fußball und Tischtennis.

Aber der Schulsport hat mir alles vermiest. In einer Gruppe von Menschen, denen gegenüber man keine Schwächen offenbaren will (egal, ob deshalb, weil man ihnen imponieren wollte oder sie nicht mochte und sich daher keine Blöße geben durfte), anstrengende Dinge zu tun, die keinen Spaß gemacht haben und bei denen man sich angestellt hat, wie ein Trottel, war einfach eine Qual. Beispiele? Beim Ausdauerlauf einknicken und pustend, hechelnd und mit rot-verschwitzten Kopf abbrechen, während andere noch nicht mal ihre Betriebstemperatur erreicht haben, elegant auf einem Balken vor den Blicken anderer balancieren und süße Knickse machen, obwohl man sich fühlt wie ein Elefant, über einen Bock springen und dabei abwechselnd entweder das ganze Ding oder den Lehrer mit umreißen … nunja, ihr könnt euch sicher vorstellen, was ich meine.

Diese Jahre haben mich auf jeden Fall geprägt. Den Sportunterricht fand ich immer schrecklich und ich habe stets nach einer Möglichkeit gesucht, mich klein zu machen, unauffällig zu verhalten und allem irgendwie aus dem Weg zu gehen.

Dem Herrn sei es gedankt; meine Schulzeit habe ich zum Glück seit knapp 8 Jahren hinter mir 🙂
Und seither habe ich tatsächlich keinen Sport mehr gemacht. Ich war nicht joggen, nicht walken, nicht Fahrradfahren, war nicht schwimmen und habe nicht mal ein paar Situps gemacht. Wirklich keinen Sport! Spaziergänge waren das höchste der Gefühle. Ich bin nicht stolz darauf und habe an dieser Stelle leider auch keine gute Begründung, die das irgendwie rechtfertigen könnte.

Angst, sich zu blamieren

Denn all die Jahre hatte ich immer vor, mich in einem Fitness-Studio anzumelden. Ich war immer kurz davor, habe es aber nie gewagt … und es mir dann selbst schöngeredet, so von wegen, ich habe ja auch gar kein Geld dafür übrig, man muss das nicht machen und man kann sich auch so bewegen.

Wo lag das Problem?

Ich schätze, in der Angst davor, sich zu blamieren.

Was vielleicht auf den ersten Blick noch logisch scheint, macht auf den zweiten Blick schon keinen Sinn mehr. Inwiefern sollte man sich blamieren? Indem man schwitzt und außer Atem ist? Weil es komisch aussieht, wenn korpulentere Menschen sich bewegen? Und was sollte schon passieren? Dass andere deswegen lachen? Warum in Gottes Namen sollte ein erwachsener Mensch jemanden auslachen, der versucht, sich zu ändern? Dinge besser zu machen? Und wenn er dies doch tut – wer hätte Respekt vor so jemanden? Wer möchte einem Menschen gefallen, der erbärmlich und fies ist?

Man kann es nur so zusammenfassen: Es gibt keinen Grund, Angst zu haben. Dennoch war es immer da, dieses Gefühl, bloßgestellt werden zu können.

Was ich im Laufe meiner Lebensjahre aber auch gelernt habe, ist, dass fast immer dann, wenn ich meine Angst überwinden konnte, etwas Tolles passiert ist. Etwas hat sich zum Positiven gewendet, sei’s weil ich einen neuen Job bekommen hab, es tosenden Beifall gab (nach einem Vortrag/einer Rede), ich meine Schmerzen los war (nach der Weisheitszahn-OP) oder ich gemerkt hab, wie toll manche Menschen sind und wie sehr ich selbst gemocht und akzeptiert werde. Das Gefühl, in dem Moment, indem die Angst und all der Druck von einem abfällt und man merkt, hey, war doch gar nicht so schlimm, ist berauschend und unglaublich schön. Man fühlt sich so frei und mutig und glaubt, jetzt wirklich alles packen zu können. Allein dafür lohnt es sich!

So lange habe ich nun schon davon gesprochen, mich in einem Fitness-Studio anzumelden. Ich habe mich belesen, Studios und Preise verglichen und versucht, mich monate- ja, jahrelang seelisch und moralisch drauf vorzubereiten.

Die Wahrheit ist aber, dass sich die Angst nicht in der Theorie abschütteln lässt. Im Gegenteil, je länger man eine Herausforderung auf die lange Bank schiebt, desto größer wird sie. Wir können uns die Angst nicht wegdenken oder wegmeditieren. Es gibt nur einen Weg, sie zu besiegen: Wir müssen uns ihr stellen. Und zwar jetzt und in diesem Augenblick; nicht erst nächsten Monat, wenn wir 20kg leichter sind, wenn wir weniger Stress haben oder uns eher bereit dafür fühlen. Nein, jetzt!

Ich habe es gewagt

Deswegen habe ich mir auch endlich einen Ruck gegeben und mich am Montagmorgen auf zum Fitness-Studio meiner Wahl gemacht. Meine Hände waren nasskalt, mein Magen flau und während ich da so in der Kälte stand und auf den Bus wartete, glich meine Stimmung irgendeiner depressiv-düsteren Szene aus „Spiel mir das Lied vom Tod“. Ich hab mich so leer gefühlt, so eklig und dachte mir die ganze Zeit nur, man, geh doch wieder nach Hause und leg dich in dein gemütliches Bett.

Hier wurde es richtig deutlich. Mein Bett war meine Komfortzone und der Weg zum Fitness-Studio die eigentliche Angst, die Mauer, die ich überwinden musste. Und weil ich wusste, dass es nicht besser wird, wenn ich zurück in meine Komfortzone krieche (denn spätestens dort angekommen fühlt man sich ganz klein, wie der letzte Loser), habe ich einfach versucht, tief zu atmen und mir irgendeine schöne Strandszene in der warmen Karibik vorzustellen.

Ja, ich weiß, es klingt ein wenig albern und ist für die meisten sicher nicht leicht, nachzuvollziehen. Aber es ist nun mal meine Blockade, die über Jahre immer größer geworden ist. Es ist für mich das, was für andere Menschen das Reden vor einer größeren Gruppe, das erste Date, ein Vorstellungsgespräch, der Gang zum Psychologen, zum Schuldnerberater oder zum Zahnarzt.

Im Studio angekommen – die Nervosität flachte dann tatsächlich etwas ab – habe ich nach einem Termin für ein Probetraining gefragt. Mir war es wichtig, das persönlich zu arrangieren, weil dann die erste Hemmschwelle schon mal überwunden ist (bei telefonischem Kontakt – oder noch schlimmer, per E-Mail, ist das nicht der Fall). Eine nette Trainerin hat mich mit beiseite genommen, mir grob alles erklärt, und gemeint, ich könne gern am Donnerstag wieder kommen, dort sei Tag der offenen Tür – und da gäbe es dann die Möglichkeit, ein paar Geräte mal kurz auszuprobieren, das Studio kennenzulernen und die persönlichen Ziele abzustecken.

Gesagt, getan. Gestern bin ich also mit einem ähnlich flauen Gefühl erneut hin (aber es war nicht mehr ganz so schlimm) und wurde vom Trainer Andy begrüßt. Andy hat mir alles gezeigt und erklärt, mich ins Konzept eingeführt, mich nach meinen Zielen gefragt und mir am Ende einen Vertrag unter die Nase gehalten.

Und was soll ich sagen? Ich habe nicht lange gefackelt und hab’s getan: Ihn unterschrieben 🙂

Mein Erst-Checkup und mein erstes Training finden erst in 2 Wochen statt, weil ich heute für ein paar Tage zu meinen Eltern fahre. Das ist zwar nicht ideal, da so zu viel Zeit ins Land streicht und sich wahrscheinlich erneut eine größere Hemmschwelle auftut, aber was soll’s. Ich bin mir sicher, dass ich diese jetzt auch überwinden kann. Ganz abgesehen davon, dass ich sicher nicht der Typ bin, der über 70 EUR, die jetzt so oder so fällig sind, einfach in den Wind schießt.

Zum Studio selbst werde ich euch morgen etwas mehr erzählen.

Das Leben in die Hand nehmen

Zusammenfassend möchte ich heute nur festhalten, dass ich mich unglaublich freue. Endlich habe ich den Stein ins Rollen gebracht, den ich schon seit Jahren schräg anstarre. Und endlich kann ich beide Komponenten, die fürs Abnehmen so unerlässlich sind, zusammenführen: Ernährung UND Bewegung. Ich bin mir so sicher, dass es diesmal nachhaltigen Erfolg haben wird.

Ich hoffe, dass ich auch beim nächsten Mal daran denke, dass je größer die Angst und je unangenehmer der Schritt, die Komfortzone zu verlassen, je mehr lohnt es sich. Das eklige Gefühl ist nur einen Moment da – und meist auch nur vorher und nicht mehr währenddessen.

In 80% der Fälle ist die Angst einfach nur ein Lügner. Sie meint es vielleicht gut mit uns, aber nur, weil sie es nicht besser weiß. Aber wir brauchen mehr, als nur Sicherheitsempfinden. Wo bleibt das Abenteuer, der Nervenkitzel, die große Freiheit?

Wir sind doch nicht auf dieser Welt, um Tag für Tag gemütlich auf dem Sofa zu sitzen (am besten noch mit Schoki und Chips) und anderen im TV bei ihren Abenteuern, beim „echten Leben“ zuzuschauen. Nein, wir müssen unser Leben selbst in die Hand nehmen. Und je öfter wir über unseren Schatten springen, und wenn es auch nur für diese vermeintlich kleinen Dinge ist, desto eher wird uns das gelingen.

Amen. Oder so ähnlich 😉

Advertisements

8 Gedanken zu “Über die Angst vorm Sport

  1. Wie schön!
    Das klingt doch super!
    Toll, dass du dich überwinden konntest!!!!
    Ich bin gespannt, wie es dir dann gefällt und was du erzählst!

    Ganz lieben Gruß
    Kris

  2. Ja. Amen! Hast Du ganz toll geschrieben und ich wünsche Dir, dass Du den Spaß am Sport und an der Bewegung finden wirst – der Rest kommt dann ganz allein ;).

    LG Emma_Blue

    • Huhu Emma. Schön, dass du noch dabist 🙂 Ich bin optimistisch, dass der Spaß mit der Zeit kommen wird, sobald ich mich wohl und unbeobachtet fühle. Zumindest im Nachhinein werde ich mich sicher viel wohler fühlen.

  3. Du bist heute echt meine Heldin. Super gemacht!!! Wow. Das ist echt toll. Wir haben alle Angst vor irgendetwas, das merke ich selbst immer wieder, wenn ich überlege „Warum mache ich das eigentlich nicht?!“. Schon komisch, wie das Hirn manchmal funktioniert.

    Wer weiß, wie viele Menschen heute lieber wieder zu Hause bleiben, weil sie Schiss vor dem Fitnessstudio, dem Zahnarzt oder sonstwas haben. Oder in ihrer gewohnten Bar hängen, weil sie Angst davor haben, alleine zu Hause zu sein. Ängste sind einfach etwas Komisches. Ich bewundere dich dafür, dass du dich dem gestellt hast!

    LG Lissa

  4. Der Beitrag ist echt schön geschrieben und du schreibst was viele insgeheim denken…ich mach lieber nichts als mich zu blamieren. Ich mochte auch nie den Schulsport, da ich leider total talentfrei war/bin. Ich konnte weder schnell noch ausdauernd laufen, hab bei meinen besonders gehassten Bundesjugendspielen jegliche Hürde plattgelaufen, beim Springen übertreten und mir beim Kugelstoßen das Teil fast auf den Fuß fallen lassen. Ballspiele und zielgenauigkeit lagen mir leider auch nicht, genauso wenig wie turnen. Und nur mit bischen tanzen war dann auch nichts mehr zu retten. Aber zum Glück ist das vorbei 🙂

    Ich wünsche dir ganz viel Erfolg beim Training und freu mich auf weitere Berichte. Hoffe ich kann mich bald auch mal wieder zum Yoga aufraffen oder das Fahrrad zur Arbeit nehmen.

    • Danke Marie 🙂 Es ist irgendwie schön, dass es da draußen Menscnen gibt, die das nachvollziehen können und ähnliches erlebt haben. Früher habe ich immer gedacht, ich wäre einfach bescheuert -.egal mit wem ich darüber geredet habe; ich wurde immer angeguckt wie ein Auto. Diese Panik davor, sich zu blamieren und das quälende Gefühl, es nicht gut genug machen zu können und der Hass auf den Schulsport, das hatte irgendwie niemand sonst. Oder hat nicht darüber geredet.

      Ich hoffe echt, diese negativen Verknüpfungen irgendwann loszuwerden ^^

      Berichte folgen, klar! Und ich drücke dir die Daumen, dass der Motivationsschub für Yoga oder Fahrradfahren bald kommt. Manchmal geht das ja schneller als gedacht 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s